Auf ein Wort...

Und siehe, Maria gebar ihren ersten Sohn. So lesen wir in der Weihnachtsgeschichte.

Gott wird ein Kind.
Ich kann es mir vorstellen: er nuckelt an der Brust seiner Mutter, die reinlichen Windeln sind öfter gar nicht so rein, er schläft so niedlich oder er schreit die Nacht durch.

Gott wird ein Kind. Warum?
Ich glaube, weil das Kindsein zum Menschsein dazu gehört. Jesus ist nicht nur der, der als erwachsener Mann die Kinder in den Arm nimmt und segnet. – Das auch. – Und doch, Gott wird ein Kind.

Bild: Christine Fischer

Ein Bild das uns anrührt, das unser Herz erwärmt, das Zuneigung und Vertrauen schafft. Ein Bild, das uns erinnert an das eigene Glück über die Geburt eines Kindes oder Enkels, des eigenen oder des Kindes in der Verwandtschaft oder im Freundeskreis.

Ein Bild, das uns erinnert an Flüchtlingskinder, vernachlässigte oder übersättigte Kinder bei uns, an Kinder, die auf Müllhalden leben. Gott begegnet uns auch in ihnen und fragt uns: Wie geht ihr mit ihnen um? Wie wichtig sind sie euch? Was könnt ihr für sie tun? Was brauchen sie an Liebe, Zuwendung, Sorge?

Gott wird ein Kind.
Wie winzig und schutzbedürftig! Was kann dieses Kind schon ausrichten, so klein und winzig? So geht es doch nicht, das bewirkt doch nichts in der Weltgeschichte. So geht es mir manchmal durch den Kopf, wenn ich über die Wirkung unserer Glaubensbotschaft nachdenke.

Alles andere ist attraktiver: das, was in den Medien verkauft und vermittelt wird. Was sollen wir denn da ausrichten, so klein und ohnmächtig? Das bringt doch nichts.

Aber Gott hat diesen Weg gewählt.
Kann mich Weihnachten ermutigen, mich darauf einzulassen? Kann es mir helfen, Sorgen, die ich mir um Kirche und Gemeinde mache, abzulegen? Kann ich darauf vertrauen, das seine Botschaft weiter trägt, auch wenn sie offenbar ins Hintertreffen gerät?

Ich hoffe, das ist nicht nur mir selbst gepredigt, sondern auch allen, die sich in unserer Gemeinde engagieren.

Gott wird ein Kind. Wie gut, dass wir uns diese Botschaft seit 2000 Jahren erzählen.

Ihre Pfarrerin Verena Westermann

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