Zurück in Nicaragua

Buenas!


Ausflug mit den Hormiguitas Fußballverein

Backkurs

Hausaufgabenhilfe

Mit der Mobilen Schule auf der Müllhalde

Bohnenernte

Ein Tag auf dem Markt

teilnehmende Schulen beim Umzug der heiligen Merced

Umzug heilige Merced

Ich habe die Chance genutzt und bin in meinen Semesterferien noch einmal für 2½ Monate zurück nach Nicaragua gegangen. Meine Zeit hier in Nicaragua vergeht wie im Flug und nun bin ich schon über 6 Wochen lang hier. In der Zeit habe ich schon wieder viel Neues gesehen und erlebt und mein Bild über das Land hat sich wieder verändert. Ich versuche euch mal einen Überblick zu verschaffen, was ich in meiner Zeit hier alles schon gesehen habe.

Ich arbeite momentan in einem Projekt, was vor allem Kinder unterstützt, die neben der Schule arbeiten müssen. Das Projekt ist sehr vielseitig und hat verschiedene Elemente. Im Zentrum helfen wir den Kindern bei den Hausaufgaben und bieten ihnen Aktivitäten an, damit sie nicht während ihrer freien Zeit auf der Straße rumhängen, denn das bringt viele Kinder auf die schiefe Bahn. Und natürlich soll auch der Spaß im Alltag der Kinder nicht fehlen. Ich gebe mit einer Freundin zur Zeit einen Bastelkurs und einen Backkurs, und die Kinder sind mit Begeisterung dabei. Besonders toll war es, als ein Junge, der mit seiner Familie Donuts macht und nach der Schule verkauft, uns das Donut-Rezept beigebracht hat. Er war sehr stolz und wir haben am Ende an alle Kinder aus dem Projekt unser Resultat verteilt. Morgen machen wir einen Geburtstagskuchen für ein Mädchen aus dem Projekt, ich hoffe es klappt alles :-)

Außerdem gibt es eine psychologische Unterstützung, die Kindern und Eltern bei Problemen zu helfen versucht und es werden regelmäßig die Familien besucht, um sich einen Einblick in die Situation zu Hause zu verschaffen. In vielen Familien der Kinder gibt es Probleme zwischen den Eltern, die Mehrheit der Mütter ist alleinerziehend. Auch Gewalttätigkeit und Missbrauchsfälle in den Familien sind keine Seltenheit. In den Sitzungen wird zwischen den Familienmitgliedern vermittelt und versucht, ihnen beim Umgang mit persönlichen Problemen zu helfen.

Neben der Arbeit im Zentrum fahren wir zweimal die Woche auch mit der sogenannten „mobilen Schule“ raus. Das ist ein Wagen, der mit Tafeln und Folien ausgestattet ist, mit denen man Schreiben Rechnen oder die Namen von Tieren oder Farben lernen kann. Mit diesem Wagen fahren wir dann in die ärmeren Stadtviertel raus, manchmal geht es auf den Markt und manchmal auf die Müllhalde, auf der auch einige Kinder mit ihren Eltern nach wertvollen oder essbaren Dingen suchen.

Bei der mobilen Schule helfen die älteren Kinder des Zentrums auch schon mit, ihnen wird so schon ein bisschen Verantwortung für das Projekt übertragen. Die Arbeit mit der mobilen Schule macht immer viel Spaß, denn man merkt, wie sehr die Kinder sich über ein bisschen Ablenkung freuen und wie stolz sie manchmal sind, wenn sie etwas Neues gelernt haben. Manchmal ist es aber auch erschreckend, die Zustände zu sehen, in denen sich manche Kinder befinden und zu sehen, wie abgestumpft manche Kinder wirken, sodass es schwierig ist, sie für Spiele zu motivieren.

Ich bin richtig begeistert von dem Projekt, von der Harmonie unter den Mitarbeitern, ihrer Energie, die sie Tag um Tag in ihre Arbeit stecken, und davon, wie sie sich auch von Rückschlägen und Problemen nicht unterkriegen lassen. Leider ist die finanzielle Situation des Projektes schwierig, da es durch viele verschiedene Organisationen aus Europa unterstützt wird, die teilweise nicht stetig Geld senden oder immer wieder Kürzungen vornehmen, sodass immer wieder nach neuen Geldquellen gesucht werden muss. Zurzeit verbringen wir zum Beispiel viel Zeit damit, Weihnachtskarten zu basteln, um diese in Norwegen zu verkaufen.

Wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme, unternehme ich meist noch etwas mit Freunden oder drehe noch eine Runde durch die Stadt. An den Wochenenden machen wir meist Ausflüge mit Freunden in der Nähe der Stadt. Wir haben zum Beispiel einen Tag lang einer Freundin, die ein Stück Land besitzt, bei der Bohnenernte geholfen. Das war sehr interessant, weil ich das Landleben kaum kenne, und es war toll zu sehen, wie viel und welche Arbeit für die Lebensmittelproduktion nötig ist. Ein anderes Wochenende war ich mit einem Freund, der als Förster und Aufpasser in einem Naturschutzgebiet arbeitet, in diesem unterwegs, er hat mir viele Pflanzen und Tierarten gezeigt und auch vieles über den Kaffeeanbau erklärt, der am Fuß des Gebietes betrieben wird. So lerne ich immer wieder neue Dinge von Nicaragua, über die ich bisher noch nichts oder wenig wusste.

In den Wochen, die mir noch bleiben, möchte ich versuchen, bei der Kaffeeernte, die im Oktober beginnt, einen Tag lang selbst mitzuhelfen. Außerdem habe ich vor, bei einem Jugendtreffen der regierenden Partei teilzunehmen und ich möchte noch lernen eine Piñata zu machen, das sind die aus Pappmaschee geformten Figuren, die mit Süßigkeiten gefüllt und auf Geburtstagen zerschlagen werden. Außerdem haben wir vor, ab jetzt wöchentlich eine Aktivität für die Straßenkinder anzubieten. Auf der Flucht vor familiären Problemen landen einige Kinder auf der Straße, viele von ihnen schnüffeln Klebstoff, was wie eine Droge auf sie wirkt, die besonders das Gehirn sehr schädigt. Um sich diesen kaufen zu können, werden viele von ihnen kriminell, eine Unterstützung für sie von der Regierung gibt es nicht. Wir wollen versuchen, mit ihnen ein paar schöne Momente ohne den Klebstoff zu verbringen, was in der Vergangenheit von ihnen sehr gut angenommen wurde.

Ihr merkt sicher, dass meine Zeit hier völlig anders ist als die, die ich vor einem Jahr hier verbracht habe. Ich lerne Armut kennen, deren Ausmaße mir vorher noch nicht bewusst waren. Diese Armut beschämt mich, wenn ich an meinen eigenen Wohlstand denke. Auch werden mir die Gründe für die Armut im Lande nun viel bewusster. Ich sehe, wie hart viele Leute hier arbeiten und bin beeindruckt davon, mit wie viel Ruhe sie dies tun und wie zufrieden sie trotzdem mit ihrem Leben zu sein scheinen.

Eine Freundin von mir, die auf dem Markt Gemüse verkauft, arbeitet zum Beispiel zehn Stunden am Tag, nur sonntags sind es sieben, und sie hat im Jahr nur sechs freie Tage. Doch sie mag ihre Arbeit und unternimmt jeden Tag nach der Arbeit noch etwas mit Bekannten oder geht zur Kirche oder engagiert sich in ihrem Stadtviertel. Gestresst habe ich sie noch nie gesehen, im Gegenteil, ich kenne nur wenige Personen, die so glücklich wirken wie sie, obwohl sie so wenig haben.

Das Materielle spielt hier eine viel geringere Rolle als bei uns, wenn es um Glückseligkeit geht. Ich genieße die entspannte Atmosphäre sehr, das In-den-Tag-Leben und die Geselligkeit.

Zuletzt habe ich noch ein Angebot: Das Projekt, in dem ich zurzeit arbeite, macht jedes Jahr einen Wandkalender mit Fotos vom Projekt und den Kindern. Mit dem Gewinn wird das Gehalt der Psychologin bezahlt und das Projekt finanziell unterstützt. Die Kalender können für 11 Euro erstanden werden, ich würde diese dann direkt nach Hause mitbringen und euch zusenden. Bei Interesse sendet mir bitte möglichst schnell eine Mail an . Ich würde mich über Interesse freuen!

Zuletzt sende ich noch ganz herzliche Grüße, bis bald!

Anna Lena Hörsken

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