Auf ein Wort..

(c) Christine Fischer 2016

Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden (4. Mose 6).

Ein Gottesdienst ohne Segen ist wie ein Abschied von Verliebten ohne Kuss. Natürlich schauen sich die Verliebten freundlich an. Sie wollen nicht ohne einander sein, brauchen ein starkes Zeichen der Zuneigung. Sie wissen: wir gehören zusammen, auch wenn wir jetzt auseinander gehen. Eigentlich wollen sie sich gar nicht trennen und zeigen einander: wir bleiben miteinander verbunden, auch wenn wir uns nicht sehen. Gute Gedanken des jeweils anderen begleiten uns. Das Wissen um die Liebe, die bleibt, gibt Kraft und Zuversicht. Sie beflügelt. Und beide freuen sich auf das nächste Zusammensein, auf die kommende intensive Begegnung. Sie sehnen sich nach einander.

Segen ist solch eine Berührung, die Gottes Liebe spürbar werden lässt. Nur in wenigen Fällen werden uns dabei die Hände aufgelegt. Warum eigentlich? Im Gottesdienst sind die erhobenen Hände ein Abglanz davon.

Auch Gott lässt uns nicht einfach so gehen. Er beauftragt Aaron zu segnen und auch Jesus verlässt seine Jünger nicht ohne Segen. Seine Kraft, seine guten Gedanken, die Gewissheit seiner Liebe begleiten uns. Wir dürfen sie mitnehmen in die Zeit, die vor uns liegt; in die kommende Woche, ins Leben, das vor den Getauften oder den KonfirmandInnen liegt, in die neue Schule für die Erstis, auf den gemeinsamen Weg für die Eheleute, für die Aufgaben in der neuen Pfarrstelle oder auch am Ende des Lebens, wenn nur noch Gott selbst den Weg mitgehen kann.

Immer wieder gilt uns Gottes Segen, immer wieder neu, so wie sich Verliebte auch nicht nur einmal küssen: Immer wieder sollen wir Stärkung erfahren und es ist gut, wenn wir uns wieder danach sehnen. Ich bin gewiss: Gott sehnt sich auch und freut sich, wenn wir da sind.

Verena Westermann

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