Liturgie

Wie feiern Sie eigentlich am liebsten Gottesdienst?


Pfarrerin Susanne Nickel.

Mit Laudato si, fröhlich-kreischenden Taufkindern und viel Hully Gully? Oder lieber etwas ruhiger – mit einem wohltemperierten Bach-Präludium, einer möglichst anspruchsvollen Predigt und Heiligem Abendmahl? Oder vielleicht mit Rollenspiel, Film, künstlerischen Elementen oder gar Tanz?

Vielleicht gehören Sie aber auch zu denen, die sagen: Um zu beten, brauche ich keinen Gottesdienst zu besuchen – das kann ich auch alleine zu Hause, im Garten oder bei einem Spaziergang im Wald. – Stimmt. Aber Gottesdienst ist ja nicht nur Gebet, sondern auch Feier des Lebens und Kommunikation mit und über Gott und die Welt – und feiern und kommunizieren tut man gemeinhin ja eher selten allein, oder?

Gottesdienst ist Feier des Lebens

Seit den ersten christlichen Jahrhunderten feiern Christen an jedem Sonntag die Auferstehung Jesu, ihres Herrn, und damit zugleich auch die Hoffnung, dass das Leben, das Gott uns schenkt, letztlich den Sieg behält über den Tod und all die Schatten, die dieser auf unser Leben wirft. Im Gottesdienst will Gott durch seine Gegenwart in Wort und Geist und in der Gemeinschaft der Gläubigen Licht in unser Leben bringen und uns aufrichten und stärken – damit wir aufatmen, aufleben und mit neuer Lebendigkeit und Kraft in den Alltag zurückkehren können. Das ist der Sinn des Sonntagsgottesdienstes – Gottes Dienst an uns: Dass wir unser alltägliches Leben in einem neuen Licht sehen.

Gottesdienst für die ganze Gemeinde: die Quadratur des Kreises?

Nun sind aber Christen so unterschiedlich wie Menschen nun einmal unterschiedlich sind: Zur christlichen Gemeinde gehören Menschen aus allen Generationen, mit sehr verschiedenen Interessen und Begabungen – musikalisch oder eher nicht, manche verkopft, andere praktisch veranlagt, die einen sehr kommunikativ, manche eher still…. Gerade das macht ja den Reichtum der christlichen Gemeinschaft aus. Nur sind dadurch eben auch die Vorstellungen davon, was ein guter Gottesdienst ist, sehr verschieden…. Wie soll man da einen Gottesdienst gestalten, den die ganze Gemeinde von Herzen mitfeiern kann?

Das Evangelische Gottesdienstbuch, das in vielen Kirchen der EKD seit der Jahrtausendwende der liturgischen Orientierung dient, lädt dazu ein, die Buntheit der christlichen Gemeinde und ihr ganz unterschiedliches Denken, Sprechen, Glauben und Empfinden gerade auch im Gottesdienst zur Geltung zu bringen: Der Gottesdienst soll deshalb möglichst nicht nach einer immer gleichen, starren Ordnung gefeiert, sondern variabel gestaltet werden. Zugleich sollen aber eine einheitliche Grundstruktur und bestimmte wiederkehrende liturgische Elemente den Gottesdienst als evangelischen Gottesdienst erkennbar machen und unsere Verbundenheit mit der weltweiten Christenheit über zeitliche, konfessionelle und kulturelle Grenzen hinweg zum Ausdruck bringen.

Änderungen im Gottesdienstablauf

Das Presbyterium unserer Gemeinde hat sich vor diesem Hintergrund jüngst noch einmal mit unserer Lienener Gottesdienst-Ordnung beschäftigt und dazu einige moderate Veränderungen beschlossen. Insbesondere im Eingangsteil wird künftig eine variablere Gestaltung möglich sein: In das Eingangsgebet soll die Gemeinde künftig mit einem entsprechenden Liedruf oder Gesang einstimmen. Hier hat nun – in Angleichung an die liturgische Tradition anderer Gemeinden – ggf. auch die Bitte um Erbarmen (Kyrie) ihren Ort (mit der die Gemeinde in Lienen bislang auf die Predigt geantwortet hat). Wird der Eingangsteil reicher ausgestaltet, antwortet die Gemeinde auf den Zuspruch des göttlichen Erbarmens noch einmal mit einem Lobgesang (Gloria), und ein weiteres Gebet bündelt die Gedanken des Eingangsteils und schließt diesen ab. Auf die Predigt antwortet die Gemeinde mit einem Lied und mit dem Glaubensbekenntnis. Die Kollekte für diakonische Aufgaben unserer eigenen Gemeinde (Klingelbeutel) werden wir künftig beim Lied vor der Predigt einsammeln.

Verantwortung und Beteiligung der ganzen Gemeinde: Machen Sie mit!?

Das Presbyterium hat nach unserer Kirchenordnung zwar das Recht, die liturgische Struktur unseres Gottesdienstes festzulegen – für die Feier des Gottesdienstes ist aber nach evangelischem Verständnis die gesamte Gemeinde verantwortlich (Priestertum aller Gläubigen). Viele Gemeindeglieder bringen sich hier in Lienen bereits in die Gestaltung unserer Gottesdienste ein: Im Deko-Team, als Lektoren und Lektorinnen, als Musiker/innen und Sänger/innen…. Wenn Sie auch Lust haben, Ihre Gaben oder Gedanken in unsere Gottesdienste einzubringen und so ihre Lebens- und Glaubenserfahrung mit anderen Christen zu teilen, sind Sie dazu herzlich eingeladen! Sprechen Sie mich gerne an (Telefon 7690) und teilen Sie mir Ihre Wünsche und Ideen mit! Insbesondere würde ich mich freuen, wenn sich recht bald ein Team zur Gestaltung von Kindergottesdiensten zusammenfinden würde….

Susanne Nickel

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