Sozialseminar Tod – Trauer – Trost

Ein Rückblick

Herbst – die Sonne steht tiefer, die Nächte werden länger, die Kräfte der Natur nehmen ab – es ist die Zeit des Abschiednehmens. In dieser Zeit liegen auch die entsprechenden kirchlichen Feiertage. Am letzten Sonntag des Kirchenjahres kurz vor der Adventszeit begehen die evangelischen Christen den Totensonntag oder Ewigkeitssonntag, an dem sie ihrer Verstorbenen gedenken. Immer am 2. November (Allerseelen) begeht die römisch-katholische Kirche das Gedächtnis ihrer Verstorbenen.

Die Durchführung von Beerdigungen ist eine der häufigsten Amtshandlungen der christlichen Pfarrer. Hinter dem Begriff Amtshandlung verbirgt sich aber viel mehr – nämlich Zeit zum Gespräch, Rückblick auf gemeinsame Erlebnisse, Beschreibung und Klärung der derzeitigen Situation, Entwicklung einer Perspektive, Deutung des Lebens und der Situation im Licht des Glaubens, Gestaltung der Trauerfeier, gespendeter Segen, und Trost...

Foto: Westermann

Früher war die Kirchliche Begleitung der Familien in Todesfällen oftmals viel enger. So wurden wurde noch gemeinsam Abendmahl gefeiert, oder es wurde mit einer Aussegnung gemeinsam vom Verstorbenen Abschied genommen, bevor der Bestatter den Verstorbenen aus dem Haus holte. All dies ist auch heute noch möglich und wird auf Wunsch der Familie von den Pfarrerinnen gerne durchgeführt.

In Zeiten, in denen Menschen zunehmend auf Distanz zur Kirche gehen oder ihr sogar den Rücken kehren, ist auch die finanzielle Ausstattung vielen Gemeinden schlechter geworden. In Lienen und Kattenvenne gab es vor einigen Jahren noch 3 Pfarrer. Heute müssen 2 Pfarrerinnen die Arbeit gemeinsam bewältigen, und hinzu kommt, dass auch hier wie überall die Bürokratie zunimmt. So sehen sich Pfarrer heute auch immer öfter unter Zeitdruck und können nicht immer all das schaffen, was eigentlich ihre Aufgabe ist, warum sie Pfarrerinnen wurden wozu sie ausgebildet sind. Daher ist eine starke Gemeinschaft heute umso wichtiger. Menschen wie die Presbyter oder Mitglieder kirchlicher Gruppen, die u.a. auch bürokratische Aufgaben übernehmen und so den Pfarrern den Rücken frei halten.

Im Oktober fand eine Veranstaltung des ev. Sozialseminars Lienen zur Thema christliche Rituale am Lebensende statt. Viele Interessierte hatten sich im Kirchsaal eingefunden und tauschten sich über Erfahrungen und Wünsche aus. Hierbei wurde u.a. deutlich, dass von der Kirche im Bereich Seelsorge und Trost teils mehr erwartet wird als sie derzeit leisten kann.

Es wurde aber auch deutlich, wie verschieden die Erfahrungen und Wünsche der Betroffenen sind. Rituale, die die einen als hilfreich erleben, finden andere als einengend. Die einen erleben sie als Halt, die anderen als Zwang. Einige finden es z.B. schön, wenn der Verstorbene noch einen Tag lang zu Hause bleibt. Sie können sich Zeit lassen. Andere finden diese Situation als bedrückend. In dem sehr offenen Gespräch haben wir deutlich gemerkt, dass es keine Patentrezepte gibt und jeder Fall besonders ist.

Im Gespräch haben wir gemerkt, welch ein Geschenk es ist, wenn man sich auf die Situation des Abschiednehmens einstellen kann und der Tod nicht ganz plötzlich einen lieben Menschen aus dem Leben reißt.

Es ist gut, das Thema nicht auszuklammern, sondern Mut zu fassen und sich damit zu beschäftigen.

Anja Oetmann-Mennen
Verena Westermann

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