Auf ein Wort...

Pfarrerin Annette Bethlehem.

Ein ungewöhnliches Friedhofskreuz auf der Titelseite, eine ungewöhnliche Inschrift: "Auf Wiedersehen" – kein Name, keine Daten, aber ein Abschiedsgruß an die Zurückbleibenden, an die, die vor diesem Kreuz stehenbleiben – und vielleicht stutzen. "Auf Wiedersehen".

Wenn jemand weggeht, wenn Menschen nach einer Begegnung auseinandergehen, ist das ein üblicher Gruß, oder auch "Adieu". Das Wort "Adieu" setzt sich ja aus den beiden französischen Wörtern à "bei" und dieu "Gott" zusammen. Das hat seine Wurzeln im lateinischen ad deum "zu Gott (hin)". Auch "Tschüss" oder "Tschau" haben ihren sprachlichen Ursprung im Adieu.

Wir sagen, rufen uns das oft zu, ohne uns der tieferen Botschaft in dem Moment immer bewusst zu sein, nämlich, dass wir den anderen der Begleitung Gottes anvertrauen. Auf dem Kreuz die Worte "Auf Wiedersehen" wirken auf mich so, als würde uns der verstorbene Mensch dort seine Hoffnung, sein Vertrauen in die christliche Osterbotschaft zusagen.

Wir sind in der Passionszeit, stehen kurz vor Ostern. Die biblischen Texte in dieser Zeit berichten von Jesu Weg zum Kreuz, von seinen Abschiedsgesprächen mit seinen Freunden und Jüngern, von Jesu Worten zu Tod und Leben. Und in diesen Gesprächen spielt bereits die Auferstehungsbotschaft eine wichtige Rolle.

"Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden; denn in ihm leben sie alle." (Lukas 20,38)

So lautet der Monatsspruch für den März 2013. Und in diesem Textzusammenhang nennt Jesus auch, sich auf das Alte Testament beziehend, Männer und Frauen "Kinder der Auferstehung" (Lukas 20,36).

Jesus tröstet seine Jünger angesichts seines Todes:
"Es ist noch eine kleine Zeit, dann wird mich die Welt nicht mehr sehen. Ihr aber sollt mich sehen, denn ich lebe und ihr sollt auch leben." (Johannes 14,19) Und Jesus sagt ihnen zu, ihnen mit seinem Weggang und seiner Auferstehung den Zugang zum Wohnen, zum Leben bei Gott zu öffnen "...damit auch ihr dort seid, wo ich bin." (Johannes 14,3)

Ich denke auch an Jesu Worte am Kreuz zu einem der beiden Gekreuzigten neben ihm: "Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein." (Lukas 23,43)

Diese und ähnliche Bibeltexte gehören in die Passions- und Osterzeit, aber wir rufen sie uns auch in Erinnerung, wenn wir von Menschen Abschied nehmen müssen, in unseren Trauergottesdiensten, auf dem Weg zu den Gräbern, wenn wir – nach einer alten Lienener Tradition – um das große Friedhofskreuz herumgehen auf dem Weg zum Grab.

Auferstehung, Leben, in das uns Gott durch Jesus Christus hineinnimmt – wir können das nur mit menschlichen Lebensworten und Lebensbildern ausdrücken. Und die spiegeln sich in der Hoffnung: "Auf Wiedersehen".

Diese österliche, fröhliche Hoffnung findet sich auch wieder in einer Anekdote.
Der Theologe Karl Barth, bekannt für markante, auch mal spitzzüngige Worte, soll nach einem seiner Vorträge gefragt worden sein: "Herr Professor, werden wir droben unsere Lieben wiedersehen?" Seine Antwort: "Ja, aber die anderen auch."

Anders hat Dietrich Bonhoeffer in seinem bekannten Gebet "Von guten Mächten wunderbar geborgen..."" die christliche Auferstehungsbotschaft angedeutet:

"Führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht."

Oft singen wir diese eindrücklichen Worte beim Abschied, damit die christliche Hoffnung in uns lebendig bleibt. "Auf Wiedersehen".

Diese Osterbotschaft möge Sie begleiten, Ihnen eine gesegnete Zeit,

Ihre/eure
Annette Bethlehem

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