Ein Platz für Kradfahrer





Wenn die Menschen nicht in die Kirche kommen, kommt die Kirche zu den Menschen. In diesem Fall zu den Kradfahrern. Deren Tonlage trifft Norbert Brockmann.

"Ihr seid schon gut und macht die Welt besser", sagt der Pastoralreferent der katholischen Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen. Dabei verhehlt der Seelsorger nicht: "Ihr habt im Dorf nicht den besten Ruf." Einige können offenbar ihre Maschinen nicht zähmen, donnern laut durch die Straßen und durch Holperdorp.

Diese klare Sprache überrascht die Teilnehmer am Lienener Motorrad Gottesdienst (LiMoGo) "Pray & Bike". Natürlich ökumenisch gehalten. Aber Brockmann relativiert. "Idioten gibt es überall". Er lobt die Gemeinschaft und Kollegialität. "Ihr seid gastfreundlich", hat er festgestellt.

Die Ladefläche eines Kleinlasters nimmt den Altar aus der evangelischen Kirche auf. Ein weiß-rosa blühender Magnolienzweig, ein violett-grüner Frühlingsstrauß, drei Altarkerzen in windgeschützten Gläsern und lila-gelbe Ballons geben der gemeinsamen Veranstaltung beider Kirchen einen schönen Rahmen.

"Schön, dass Ihr da seid." Mit diesen Worten heißt Annette Bethlehem 270 Kradfahrer, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr, auf dem Kirchplatz unter freiem Himmel willkommen. Die Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Lienen liest mit den Frauen und Männern den Psalm der Motorradfahrer, betet mit ihnen. Eine junge Frau kollabiert, muss von den Maltesern auf die Beine geholfen werden. Dann geht der Gottesdienst weiter.

Für die Notfallseelsorge im Kreis Steinfurt bittet Pfarrerin Verena Westermann um eine Spende. Zwei Helme dienen als Sammelteller.

Aus dem Osnabrücker und dem Münsterland haben sich die Biker auf den Weg in den Erholungsort gemacht. Im Kirchsaal bieten die Landfrauen Lienen und Kattenvenne belegte Brötchen und Kuchen an. Auf den Thieplatz gibt es weitere gastronomische Angebote und jede Menge Informationen.

Um 16 Uhr röhren die Maschinen. Aufsitzen. Es geht los zur 40 Kilometer langen Rundfahrt (Holperdorp, Lengerich, Kattenvenne und Glandorf) durch eine zauberhafte Frühlingslandschaft. Auf den Soziussitzen nehmen Annette Bethlehem und Norbert Brockmann – natürlich in Lederkluft – Platz.

Dr. Martin Hellwig ("Ich freue mich, dass viele Auswärtige gekommen sind") steigt bei Ralf Niggenaber auf eine 20 Jahre alte Harley Davidson. Der Bürgermeister appelliert an die Vernunft der Kradfahrer und auf Sicherheitsaspekte zu achten.

Text und Fotos:
Wilhelm Schmitte
Westfälische Nachrichten

Gemeindebrief            Startseite