Auf ein Wort...

"Das habe ich von meiner Festplatte gelöscht...", sagte neulich jemand im Bekanntenkreis und es ging gar nicht um ein technisches Problem. Nein, er hatte etwas ganz bewusst aus seinem Gedächtnis gestrichen. Dies und jenes vergessen wir, das ist nun einmal so, vielleicht würde der Mann sagen: "Mein Speicher ist voll". An manches wollen wir uns aber auch gar nicht mehr erinnern, vielleicht weil es unangenehm oder schmerzhaft war. Bloß weg damit, das war nicht gut.

Zum Glück gibt es Dinge, an die wir uns gern erinnern: schöne Begegnungen, erreichte Ziele, Urlaub, eine Überraschung, eine nette Aufmerksamkeit, ein erfüllter Wunsch. Als Erinnerung können wir uns ein Bild aufhängen, einen Hingucker aufstellen oder einen Anhänger an der Kette tragen. Solche Erinnerungen sind wichtig, denn sie können unser Lebensgefühl und unsere Stimmungen entscheidend beeinflussen.

Ein selbst gebasteltes Kästchen vom Enkel- oder Patenkind erinnert mich an seine Zuneigung und freut mich. Eine Muschel vom Strand oder eine Karte wecken die Vorfreude auf den nächsten Urlaub und Erholung. Ein Bild von Menschen aus dem Freundes- oder Familienkreis macht mich gewiss, dass es eine Gemeinschaft gibt, in die ich eingebunden bin. Solche Erinnerungen, solche Gedächtnisstützen tun mir gut, gerade auch dann, wenn es nicht so läuft, wenn ich missmutig oder traurig bin.

Paulus hat um diese Erfahrung gewusst, wenn er an Timotheus schreibt: "Halt im Gedächtnis Jesus Christus, der auferstanden ist von den Toten" (2. Tim 2,8). Vergiss das nicht, denk immer wieder daran, gerade wenn die Lage schwierig wird. Bei Timotheus war das so: die ersten Gemeindeglieder sind gestorben – vor der Wiederkunft Christi. Was wird aus ihnen? Das nichtchristliche Umfeld ist nicht gerade wohl gesonnen und Timotheus hat mit der Gemeindeleitung eine Menge Verantwortung übernommen. Ja, da braucht er wohltuende Erinnerungen, etwas das stärkt und ermutigt, das Wichtigste, das seinen Glauben ausmacht.

Paulus weiß, wovon er redet. Er sitzt selbst im Gefängnis und hat keine Ahnung, ob er da je wieder heraus kommt. Er weiß, wie wichtig ein Halt und eine Hoffnung sind. Darum erinnere dich daran: Jesus war nicht nur ein guter Mensch, ein Vorbild. Er ist auferstanden von den Toten! Es gibt eine ganz neue Dimension. Was wir jetzt sehen und erleben, ist nicht alles.

Vergiss es nicht, wenn du Abschied nehmen musst von einem Menschen, der dir lieb war. Lass es dir sagen, wenn du dich fragst, ob das, was du tust, einen Sinn hat oder du deine Ziele erreichst. Denk daran, wenn der Lauf der Welt dir fragwürdig scheint.

Foto: Christian Lübke
Foto: Christian Lübke.

Halt im Gedächtnis Jesus Christus, der auferstanden ist von den Toten.

Mindestens einmal im Jahr zu Ostern Christi Auferstehung zu feiern und jeden Sonntag ein bisschen, das tut uns gut. Es tröstet uns, wenn wir traurig sind. Es ermutigt uns, das Leben anzupacken, immer wieder neu. Es gibt die Hoffnung, dass alles Gute und Liebevolle nicht verloren ist.

Unser Computerfreund würde vielleicht raten: Speicher dir das als Desktop-Hintergrund, damit du es immer wieder siehst.

Ihre Pfarrerin
Verena Westermann

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