Zum 450. Todestag des Künstlers Michelangelo

Zwischen Himmel und Hölle

Michelangelo Buonarroti war schon zu Lebzeiten so etwas wie ein Superstar. Der "Göttliche" nannten ihn seine Zeitgenossen voller Ehrfurcht. Innerlich zerrissen, leistete er als Bildhauer und Maler, als Architekt und Dichter Gewaltiges. Am 18. Februar 1564 starb er mit 88 Jahren in Rom. Einmal sagte er zu einer Gräfin: "Ich bin 86 Jahre alt, habe ein reiches Leben hinter mir und hoffe, dass ich bald von Gott abgerufen werde!" Die Gräfin fragte ihn, ob er lebensmüde sei. Er antwortete: "Nein, lebenshungrig!"

Am 6. März 1475 wurde Michelangelo di Lodovico Buonarotti Simoni in Caprese geboren. Da seine Mutter durch die Geburt vieler Kinder überlastet war, wurde er der Frau eines Steinmetzes zur Pflege gegeben. Seine Mutter starb, als er sechs Jahre alt war. Michelangelo hat sein Kindheitstrauma so gedeutet, dass es ihm in die Wiege gelegt worden sei, Bildhauer zu werden: "Ich sog aus der Milch meiner Amme Meißel und Hammer, womit ich meine Bilder haue."

Allerdings musste er sich erst gegen den Willen seines Vaters durchsetzen, bevor er mit 13 Jahren in Florenz die Künstlerwerkstatt Ghirlandaio besuchen konnte. Finanziell gefördert durch Lorenzo Medici studierte er die Freskenmalerei, die Bildhauerkunst der Antike und die platonische Philosophie.

In Rom sorgen seine Marmorstatuen eines betrunkenen Bacchus und der Pietà von St. Peter zum ersten Mal für Furore. 1504 vollendet er in Florenz die kolossale Statue des David. Er schlägt dieses Monument der Stadtfreiheit von Florenz aus einem riesigen Marmorblock, der 40 Jahre zuvor schon von einem anderen Künstler erfolglos behauen worden war. Michelangelo verbringt umgerechnet vier Jahr seines Lebens in Marmor-Steinbrüchen. Denn so lautet sein bildhauerisches Glaubensbekenntnis: "Im Marmor liegt ein magischer Zauber. Der Künstler nur kann ermessen, was im Marmor schon drinsteckt."

Gemälde: Die Erschaffung Adams
Die Erschaffung Adams in der Sixtinischen Kapelle.
Quelle: Wikimedia Commons.

Sein selbstbewusster David repräsentiert die Vollkommenheit der göttlichen Schöpfung. Doch sich selbst findet der Künstler hässlich. Schwankend zwischen Selbstverherrlichung und Selbstverachtung macht er sich und anderen das Leben schwer und klagt: "Frohsinn finde ich in dunkler Schwermut." Sogar die Päpste fürchten seine Launen. Und doch versuchen sie, dieses Genie an sich zu binden. Der Kriegerpapst und Kunstmäzen Julius II. beauftragt den Bildhauer 1505, für sich ein riesiges begehbares Grabmal zu schaffen. Fast vierzig Jahre arbeitet Michelangelo immer mal wieder daran. Doch es bleibt unvollendet und kommt nur als reduziertes Wandgrab in S. Pietro in Vincoli zum Stehen. Michelangelo bezeichnet das damit verbundene Hin und Her als "die Tragödie meines Lebens".

Immerhin bekommt er den Auftrag, die Deckenmalerei in der Sixtinischen Kapelle auszuführen. Obwohl er sich für völlig unbegabt dazu hält, begründet diese Freskenmalerei wie kein anderes Werk seinen Weltruhm bis heute. Schließlich ist es dem schon über 70-jährigen Architekten zu verdanken, dass der ins Stocken geratene Neubau des Petersdoms ab 1546 doch weitergeführt wurde.

Reinhard Ellsel

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