Sozialseminar Lienen im 1. Halbjahr 2014

An drei sehr interessanten Abenden mit zahlreichen Zuhörern beschäftigte sich das Ev. Sozialseminar in diesem Halbjahr mit dem Thema "Zuwanderung".

Am 10. Februar gaben Diana Mescher und Franziska Barthelt von der Universität Osnabrück einen Überblick über die verschiedenen Zuwanderungsarten. Warum verlassen Menschen ihre ursprüngliche Heimat und suchen nach einer neuen? Es wurde nicht nur in den beiden Referaten, sondern auch in der anschließenden lebhaften Diskussion deutlich, dass die Motive "Arbeit, Bildung, Familie, Flucht, Vertreibung" sehr viel Verständnis hervorrufen. War wohl vor 20 Jahren die Angst der Menschen bei uns noch sehr groß, so gab es jetzt viele Stimmen aus dem Teilnehmerkreis, die besagten: "Das haben wir doch nach dem letzten Weltkrieg selbst erlebt: in der Fremde ganz neu anfangen müssen!" Diese teilnahmsvolle Resonanz zu erleben, war schön.

Am 10. März gab es den zweiten Abend mit dem Schwerpunkt: "Legale und illegale Zuwanderung". Referenten waren Herr Selcuk Özdemir; Migrationsberater aus Lengerich und beruflich im "Begegnungszentrum für Ausländer und Deutsche" in Ibbenbüren tätig, sowie Herr Oliver Klöpper, seit kurzem Leiter der Ausländerbehörde des Kreises Steinfurt. Ebenfalls anwesend war Frau Yvonne Krüssel, Arbeitsgruppenleiterin beim Kreis Steinfurt im Bereich Asyl und Einbürgerungen. Auch an diesem Abend gab es eine lebhafte Diskussion. Die Einsicht, dass das Verständnis für die Situation der Migranten gewachsen ist, vertiefte sich. Ebenso erfreulich war, dass auch das Verständnis auf Seiten der Behörde größer geworden ist und dass der Begriff vom "Zuwanderungsland Deutschland" kein Reizwort mehr ist.

Der dritte Abend am 22. Mai mit dem Beauftragten für Zuwanderungsrecht in der Ev. Kirche von Westfalen, Herrn Pfr. Helge Hohmann aus Schwerte, stand unter dem Thema "Asyl – ein Grundrecht". Besonders schön war es, dass ergänzend dazu Frau Kürten aus Averfehrden und Pastor Ströver, früher Westerkappeln, von persönlichen Erfahrungen mit dem Thema "Kirchenasyl" berichteten. Frau Kürten berichtete, wie der bei einer Abschiebung 1998 in Schwege zurückgebliebene Sohn nun hier – trotz traumatischer Erfahrungen damals – eine eigene Existenz aufgebaut hat, und P. Ströver erzählte lebendig von dem langen Kirchenasyl in Westerkappeln, ebenfalls aus dem Jahre 1998, bei dem eine kurdische Familie die Hilfe vieler Menschen aus Westerkappeln sehr konkret gespürt hat. Dieses Verfahren endete allerdings nicht mit der Anerkennung der betroffenen kurdischen Familie, sondern mit deren zuletzt "freiwilliger" Ausreise.

In Lienen gab es 1996 ein relativ kurzes Kirchenasyl, bei der eine libanesische Familie für drei Wochen in Obhut genommen wurde, weil die Ehefrau ihr drittes Kind erwartete und die Sorge der Unterstützerinnen und Unterstützer in Lienen dem Schutz der Mutter und des ungeborenen Kindes sowie des kriegsversehrten Vaters und der beiden kleinen Kinder galt. Dieses Kirchenasyl endete glücklich; die Familie wohnt allerdings nicht mehr hier in der Nähe.

Hartwig Schulte

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