Vor hundert Jahren starb Bertha von Suttner

Krieg muss nicht sein

Ihr Buch "Die Waffen nieder!" hatte anfangs niemand drucken wollen. Die Geschichte einer Baronin, die ihren Mann – einen schneidigen Husarenleutnant – auf dem Schlachtfeld verliert und fortan gemeinsam mit ihrem zweiten Gatten gegen Kriegshetzer und Kriegsgewinnler kämpft, bis dieser redliche Mensch irrtümlich als Spion erschossen wird, diese ziemlich schwülstig erzählte Geschichte enthielt eine Botschaft, für die sich die Autorin zeitlebens als "Irre" und "Friedensfurie" beschimpfen lassen musste:

Krieg ist unmenschlich. Krieg darf kein Mittel der Politik mehr sein. Konflikte zwischen Völkern und Staaten müssen sich anders lösen lassen als mit Kanonen und Gewalt. Mit einem Wort gesagt: Krieg muss nicht sein.

Bertha von Suttner, die am 9. Juni 1843 in Prag geborene Gräfin Kinsky, wusste, wovon sie sprach: Ihr Vater war ein böhmischer General gewesen, ihr Großvater Kavalleriehauptmann. Mit Sachkenntnis und ruhig argumentierend, wenn auch nicht frei von Standesdünkel, warnte sie vor der Rüstungsspirale, die auf einen internationalen Vernichtungskrieg zutreibe und von Interessen der Schwerindustrie bestimmt sei.

Und vor dem Teufelskreis aus Gewalt und Gegengewalt, Aggression und Rache: "Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen, Tintenflecken mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegwaschen zu wollen. Nur Blut soll immer wieder mit Blut abgewaschen werden!"

So viel entschlossener Pazifismus fand durchaus Mitstreiter: Den Gründungsaufruf für die von ihr initiierte "Friedensgesellschaft" unterzeichneten prominente Adelige. Aber es gab genug Generäle, Provinzpolitiker, Leitartikler, Prediger, die hetzten und drohten – erst recht, als die als "Friedens-Bertha" Verhöhnte zusammen mit ihrem Mann auch noch einen "Verein zur Abwehr des Antisemitismus" aus der Taufe hob, gegen Tierversuche stritt und behauptete, sensible Menschen würden kein Fleisch mehr essen, "wenn sie selber das Tier erschlagen müssten, das sie verzehren".

Sie ließ sich nicht irre machen. Ihre Hoffnung auf die "Internationalisierung" der Welt und den Zwang zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit setzend, warb sie für Schiedsgerichte in Konfliktfällen, für eine "Friedensunion" aller Staaten, die einen Angriff gemeinsam zurückweisen müsse, und für einen internationalen Gerichtshof. 1905 erhielt sie den Friedensnobelpreis. Am 21. Juni 1914 erlag sie einem Krebsleiden. Wenige Wochen später brach der Erste Weltkrieg aus.

Christian Feldmann

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