Die Geschichte der Kirchengemeinde Lienen

Aufgeschrieben von Dr. Wilhelm Wilkens, Pastor i.R.

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Teil 12

Die ersten Nachkriegsjahre waren die große Bewährungszeit der evangelischen Frauenhilfe, die über 600 Mitglieder zählte. Die Flüchtlingsfamilien mussten versorgt und untergebracht werden. Das Gemeindehaus war die erste Anlaufstation der anrollenden Busse. Die amerikanische Care-Paket-Aktion wurde dankbar als große Hilfe erfahren. Tätige Diakonie, die in der Nazizeit unterbunden war, erhielt erstrangige Bedeutung. Zu ihr gehörte, vielen erschöpften und kranken Frauen einen Kuraufenthalt in den verschiedenen Frauenhilfsheimen durch Finanzierungsbeihilfen zu ermöglichen. Bis Ende der sechziger Jahre wurden solche Erholungsmaßnahmen gemeindlich vermittelt, heute geschieht das professionell durch das Diakonische Werk.

Auch war der Zuspruch der Frauen zu Busfahrten in die weitere Umgebung groß. Nicht selten mussten drei Busse geordert werden. Es galt die weitere Heimat kennen zu lernen.

Eingedenk ihres diakonischen Auftrages übernahm die Kirchengemeinde im August 1945 auch den in der NS-Zeit in Lienen gegründeten Kindergarten der Nationalsozialistischen Volksfürsorge (NSV). Zeitweise konnte er mit einer Kindergartenschwester des Diakonissenmutterhauses Münster als Leiterin besetzt werden. Das Leben am Gemeindehaus wurde eng. Auf Dauer musste die Kirchengemeinde nach besseren Lösungen suchen.

Der wirtschaftliche Aufschwung erlaubte der Kirchengemeinde die Erneuerung und Ergänzung ihres Gebäudebestandes zur Optimierung ihrer Arbeit. Das fing an mit der Innenrenovierung der Kirche 1958. Es folgten der Bau eines Kindergartens für drei Gruppen 1962/63 auf der Diekesbreede, der Neubau eines Gemeindehauses 1963/64, die Errichtung einer Leichenhalle auf dem Friedhof (1967), der Neubau der Orgel unter Verwendung des historischen Pfeifenbestandes (1969/70), die bauliche Sicherung des Kirchturms und Außenrenovierung der Kirche (1972), die Neugestaltung des Kirchplatzes (1973), Erwerb und Durchbau des "Hauses am Kirchplatz" (1982). Erwerb und Ausbau dieses Hauses geschahen unter der Perspektive, die gemeindliche Arbeit auf Kirche und Kirchplatz zu konzentrieren, die übergroße Kirche gemeindlich besser zu nutzen und mit einem Gemeinderaum zu versehen, um das Gemeindehaus einmal erübrigen zu können. Denn Anfang der 80iger Jahre wurde deutlich, dass die Kirche ihren Gebäudebestand aus wirtschaftlichen Gründen werde reduzieren müssen.

Die Einrichtung eines Gemeindesaals in der Kirche wurde im Zusammenhang ihrer Innenrenovierung verwirklicht (1993/94). Damals wurden die Konturen des romanischen Kirchenschiffs ergraben, der dazu gehörende Turmraum wurde vom Kirchsaal aus erschlossen, das Geläut durch zwei weitere Glocken ergänzt. Die Kirche hat durch diese Innenrenovierung und die Einrichtung eines Kirchsaals sehr gewonnen. Die wachsende Einwohnerzahl Lienens erforderte auch die Einrichtung eines zweiten Kindergartens auf dem Mersch (1991). Seine Verwirklichung geschah unter baubiologischen Gesichtspunkten.

Der wirtschaftliche Aufschwung der Bundesrepublik Deutschland nach dem 2. Weltkrieg und die damit wachsenden Kirchensteuereinnahmen ermöglichten diesen Ausbau kirchlicher Arbeit. Aber die Gemeinde hat auch ihre eigenen Möglichkeiten ausgeschöpft. Sie war ja von karolingischer Zeit her mit Grundbesitz ausgestattet, der als Pfarr- und Kirchenland um das Dorf herum gelegen war. Kirchenländereien durften veräußert werden, Pfarrland nicht. Beide konnten jedoch ausgetauscht werden. Die bauliche Expansion des Dorfes erfasste sehr bald diesen Grundbesitz. In Verhandlungen mit der Kommunalgemeinde kam es zu mancherlei Grundstücksoperationen, aber auch zur Vererbpachtung von Bauland. Erbstätter und Kirchengemeinde zogen daraus beide Nutzen, die Erbpächter von dem niedrigen Pachtzins, die Kirchengemeinde von den auf längere Zeit hin kalkulierbaren Einnahmen.

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