Die Geschichte der Kirchengemeinde Lienen

Aufgeschrieben von Dr. Wilhelm Wilkens, Pastor i.R.

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Teil 3

Der Kirchhof ist der alte Friedhof. Er hatte eine erhebliche Größe. Das "Haus am Kirchplatz" steht in seiner Osthälfte auf dem Friedhof. Der halbe Vorgarten des Pfarrhauses, das Haus Brüseke und der Hofraum Fletemeyer befinden sich auf Friedhofsgelände. Die Häuser auf der Südseite des Kirchplatzes sind von der Hauptstraße auf den Friedhof "hinaufgewachsen". Soweit er nicht durch die Häuser nach außen geschützt war, umgab ihn zum Schutz gegen das im Ort frei herumlaufende Vieh eine Mauer. Die Kirche war damals noch klein.

Auf der Ostseite wurde der Kirchhof durch drei Häuser begrenzt. In der Mitte lag die alte Dorfschule (etwa an den Stufen zum Ehrenmal). Nach Ende des 30-jährigen Krieges wurde sie gründlich renoviert und mit neuen Tischen und Bänken versehen. Die Einrichtung von Schulen war ein wichtiges Anliegen der Reformation. Die Lienener Schule existiert sicher seit 1550. Der erste Lehrer, dessen Namen wir kennen, war Jürgen Johanning (†1651). Ihm folgten Theodor Klinge, ein Lehrer Kramer und schließlich drei Generationen Staggemeyer (bis 1821). Sie unterrichteten nicht nur die Dorfjugend, sondern versahen auch an der Kirche das Küster- und Organistenamt. Ihre Dienstwohnung war das Küsterhaus am Thie (Ecke Iburger Straße), das 1586 bei sintflutartigen Regenfällen durch die vom Berg herabströmenden Wassermassen zerstört wurde.

Das zweite Haus am Ostrand des Kirchhofes war das "Mauerhäuschen", so genannt, weil es mit seinem Ostgiebel auf der Kirchhofsmauer stand. Seine Südwand teilte es mit der Nordwand des Spiekers Strüwe (Textil-Pellemeyer). Der Hof Strüwe lag jenseits der Hauptstraße auf dem Gelände der heutigen Farbenmühle. Das an Strüwes Spieker angelehnte Mauerhäuschen war einst Zehntspieker des Klosters Herford. Den erwarb 1497 Abt Rembert für das Kloster Iburg und baute ihn neu auf (1816 abgebrochen).

Das dritte Haus an der Ostgrenze des Kirchhofs war der alte Iburger Spieker. Er lag in der Straße vor dem Geschäft Fletemeyer am Ende der heutigen Kirchhofsmauer. Der Abt verkaufte das Gebäude 1648 an den Grafen, der es in der Folgezeit beseitigte, um an seinem Herrenhaus für ein Nebengebäude Raum zu gewinnen. Der Kirchhof wurde um 1550 auf seiner Nordseite erheblich verkleinert, die heutige Mauer errichtet und die Zuwegung zu den auf der Nordseite der Kirche liegenden Häusern geschaften. Hier baute Johann Ibershoff einen Spieker (heutiges Haus Brüseke) und verkaufte ihn 1616 an Evert Kramer. Pfarrer Konrad Klinge, Nachfolger seines Vaters Eberhard, baute im 30-jährigen Krieg unmittelbar neben Kramer im heutigen Vorgarten des Pfarrhauses ein kleines Privathaus, die spätere Wohnung des Lehrers und Küsters Klinge (1908 abgebrochen). Der konnte nun das Küsterhaus am Thie vermieten und auf diese Weise sein bescheidenes Einkommen ein wenig verbessern.

Zum Pfarrhof gehörte ein Spieker an der Stelle des vor einigen Jahren neu errichteten Anbaus am Hause Gerlemann. Bei den Fundamentierungsarbeiten stieß man auf starkes Mauerwerk. Es handelte sich also um ein Steinwerk, auf das vielleicht - wie am Hause Niederhellmann an der Hauptstraße - ein Fachwerk aufgesetzt war. Ein aufgefundener Sandstein mit Schießöffnung zeigt, dass es sich um ein wehrhaftes Gebäude gehandelt haben muss. Solche Steinwerke waren in den unsicheren Zeiten dringend geboten. So fielen im Oktober 1541 die Gebrüder Steinhausen (bei Gütersloh) mit einer Reiterschar über Lienen und Lengerich her, raubten Häuser und Kirchen aus, setzten verschiedene Häuser in Brand. Geht darauf der Turmbrand im 16. Jahrhundert (Chronik Kriege) zurück?

Nachfolger von Conrad Meyer wurde im Januar 1576 Pfarrer Eberhard Klinge. In seine Amtszeit fiel der Übergang zur reformierten Konfession (1. Weihnachtstag 1588). Die Liturgie des Gottesdienstes wurde von nun an völlig durch Stücke aus dem Heidelberger Katechismus bestimmt, der Taufstein aus der Turmkapelle auf den Chor der Kirche gesetzt. Nebenaltäre und Heiligenbilder verschwanden. Bei den Lienener Gemeindemitglieder kam das sicher so wenig an wie bei den Lengerichern. Aber der Landesherr hatte das Sagen. Er bestimmte die Konfession. Das Volk hatte sich daran zu halten.

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